Samstag, 3. Juli 2010

Ein erschütternder Samstag

Bah, was ne Hitze am Himmel!
Eigentlich hatten wir alle gar keine Lust zu gar nix =(

Oller arbeiten, der Grosse mit der Oma an der Nordsee, es wäre der optimale Faulenzersamstag für die Schnubbe, den Kurzen und mich geworden...

Wenn da nicht
   - zum einen die Hochzeit von Anja, Leiterin der Minifeuerwehr
   - und zum anderen das Hoffest der Mayers (mit Leinwand für Fussballgucker)

gewesen wäre.

Hätte, wäre, wenn und so, nä?

Ja...

Nachdem wir also bei der Hochzeit artig um 15.00 Uhr Spalier gestanden hatten







sind wir dann mit unserer Knoblauchbutter und der Deutschland-Schmink-Kreide bewaffnet in die Schulstraße gelaufen.
Badesachen für die Kinder dabei, denn... natürlich mit Planschbecken ;o)

Hmmm... lecker italienischen Kuchen gab es direkt zum Fussball =)
Nicole und ich haben uns zwischen die Männer gehockt und die erste Halbzeit geguckt



unsere Elfies angefeuert und gefeiert, zwischendurch mal nach dem Kleinkram geguckt

(Andre erklärt Abseits.... oder so)



viel Wasser getrunken...

In der Halbzeit dann plötzlich ein Schrei von Bettina: "LEXIIII.... DIE SCHNUBBE"
Ich bin aufgestanden, rausgelaufen, und da saß mein Mädchen auf dem Fußboden, hielt sich den Kopf und man erzählte mir, sie habe dem kleinen Sohn von Nicole die Treppen hinunter helfen wollen und sei dabei selbst ausgerutscht und zwei Stufen nach unten gefallen. Den Kleinen hatte sie dabei schön festgehalten und er ist beim Aufprall weich auf ihr gelandet, unverletzt geblieben, weinte aber aus Solidarität mal eine Runde mit.
Die Schnubbe hat sich beim Sturz den Kopf an einer Holzbank aufgehauen. Kleine Hautabschürfung und mit Sicherheit in ein paar Minuten eine Mega-Beule...



aber Bettina hatte Arnica einstecken und die Schnubbe nahm gleich 5 Stück, dazu ein kühles Gästehandtuch und eine Runde Kuscheln auf Mama's Schoß, während die zweite Halbzeit begann.
Aber die Schnubbe hatte keine Lust mehr auf Feiern. Sie wollte nach 15 Minuten und der zweiten Portion Arnica nach Hause. 
Der Kurze wollte das natürlich nicht, aber ich hab ihn überreden können, mal eben ne Stunde nach Hause zu gehen und der Schnubbe ihre Auszeit mit Raffi zu gönnen, später dann gehen wir auch wieder auf's Fest... dachte ich und sagte ich den Anderen...
Unterwegs, kurz nachdem wir aus den Hofeinfahrten und offenen Fenstern der Häuser den Jubel über das 2. Deutschlandtor gehört hatten und ich mir ein erfreutes "Schlaaaaaaaaaaaaaaaaand" nicht verkneifen konnte und der Kurze sein Deutschlandfähnchen wedelte, blieb die Schnubbe dann irgendwann einfach stehen: "Ich kann nicht mehr", wackelte in den Knieen.
Ich brachte sie dazu, die letzten 50 Meter doch noch zu laufen, schloß zuhause dann die Tür auf, sie ging an mir vorbei, stöhnte: "Ich muss brechen", sackte zusammen und übergab sich.


Hektik begann... Ich suchte schnell ein paar Sachen zusammen, Portemonaie mit Krankenkassenkarte, Geld... Kinder halbwegs wieder bekleiden, Küchenboden aufwischen, Eimer ausleeren, nochmal Erbrochenes wegputzen, die Schnubbe saubermachen, Klamotten wechseln, was zu Trinken für Tino einpacken, ein paar Kekse... ach ja... und den Vater anrufen!!! Mist, der ging nicht dran... EGAL - jetzt erstmal ab in die Klinik... Eimer mitnehmen.... Küchenrolle...

Unterwegs schossen die Deutschländer noch 2 Tore und im Radio fingen sie an, "Auto-Korso-Musik" zu spielen. Ich freute mich, sang mit, guckte während der Fahrt laufend in den Rückspiegel und ermunterte meine Schnubbe, wach zu bleiben... doch sie nickte ständig weg. Käseweiss war sie und eiskalt...
Als wir auf den Klinikparkplatz fuhren, steckte sie den Kopf nocheinmal in den Eimer... und da steckte er noch, als ich geparkt hatte und um's Auto herum zu ihr hingelaufen war. Sie war tatsächlich beim Brechen eingeschlafen... wortwörtlich zusammengebrochen =(

Ich trug mein kleines schlafendes Bündel Kind in die Klinik, schnappte mir im Eingangsbereich schnaufend einen Rollstuhl und schob sie damit zur Anmeldung.



Sie schlief und liess sich nicht mehr wecken, reagierte nicht auf Rufen oder Schütteln... Es war ziemlich erschreckend... und die Tatsache, dass die Anmeldung leer war und auch auf dreimaliges Klingeln niemand reagierte, machte mich nach etwa 10 min. doch ein wenig ungehalten.
Endlich standen dann zwei Damen in Kitteln im Gang, blickten uns an und verfielen in eine kleine Plauderei, guckten nochmal und plauderten weiter. "RRRRRIIIIIIIINNNNGGGGGGGGG!" drückte ich mit Nachdruck auf den Klingelknopf. Nach insgesamt 13 Minuten Warten erschien dann endlich ein Arzt. Guckte die Schnubbe an "Was passiert?" Ich erzählte kurz, während er sie nicht sehr sanft wieder wachmachte. Sie sprach mit ihm, sagte ihm ihren Namen, ihr Alter und er schob sie in einen Behandlungsraum, unterwegs übergab sie sich erneut. Er legte die Schnubbe auf eine Liege


und sagte einem weiteren anwesenden Arzt, er brauche ein NEF in die Kinderklinik.

Eine Schwester kam dazu, es wurde eine Braunüle gelegt, ich sammelte Schnubbe's Schuhe ein, hielt des Kurzen Hand und Schnubbe's Raffi und erreichte dann auch endlich den Ollen. Er versprach, so schnell wie möglich zu kommen.

Die Schnubbe wurde dann auf eine Trage gelegt und in den NEF verbracht, nach Giessen gefahren.

Der Kurze realisierte das ganze erst wirklich, als wir das Martinshorn hörten und ich ihm erklärte, dass da jetzt die Schnubbe gerade an uns vorbeifährt und in die Kinderklinik gebracht wird.




Passend dazu begann es zu gewittern, blitzen und donnern... der Himmel weinte mit uns =(

Der Kurze und ich fuhren nochmal nach Hause, packten ein paar Sachen ein, Nachthemd, Unterwäsche, Waschzeug... den Gameboy für ihn... und fuhren dann zur Kinderklinik.

Eine Odyssee begann. Aktion "Kind finden" ...

Erstmal wurden wir in die Unfallambulanz geschickt. Dort trafen wir auf den NEF-Arzt aus Wetzlar. Er sagte: "Ihre Tochter ist jetzt erstmal auf Intensiv. Wir mussten im NEF intubieren, sie hat noch mehrfach erbrochen und kam gar nicht mehr richtig zu sich. Sieht nach einer sehr schweren Gehirnerschütterung aus. Die machen jetzt CT und röntgen den Kopf." Wir gingen dann  zur dortigen Anmeldung und die Schwester nahm uns dann erstmal auf. Dann schickte sie uns wieder zurück in die Kinderklinik, wir sollten vor der Kinderintensivstation warten, es würde jemand zu uns kommen.

Zwischendurch telefonierte ich mit dem Ollen, erklärte ihm die Lage und wo wir uns befanden.

Der dusselige Pförtner in der Kinderklinik schickte uns dann blöd durch die Klinik, wusste wohl selber nicht, wie er zur Intensivstation kam... naja, wir fanden uns dann allein zurecht und gelangten noch zum richtigen Ort.




Kurz nach uns traf dann auch der Olle ein.
Wir zogen uns Kittel an und durften dann nach einer halben Stunde Wartezeit kurz zur Schnubbe. Kein schönes Bild, wenn das kleine Mädchen da liegt, blass und leblos, den Kopf mit einer Schiene nach hinten gestreckt mit diesem Tubus im Mund, verbunden mit vielen Schläuchen, die an piepsenden und blinkenden Maschinen hängen....
Es macht Angst, denn DAS ist Emergency Room,
aber DAS ist keine Serie... das ist mein Kind!!!!

Ein sehr netter Arzt erklärte uns, was das CT ergeben hatte und was aus den Röntgenbildern zu ersehen wäre: Im Grunde alles ok, keine Blutgerinsel, keine Brüche, Schädel und Halswirbelsäule absolut intakt!!! Das Hirn sei angeschwollen und die Schnubbe werde jetzt mit Schmerz- und Schlafmittel ruhiggestellt, in der Nacht wolle man sie dann langsam wachwerden lassen, um zu sehen, wie sie reagiert, ob sie Schmerzen habe. Und wir sollten nach Hause fahren, wir dürften eh nicht bei ihr bleiben und es mache keinen Sinn, im Elternzimmer rumzusitzen.

Es fiel mir nicht leicht, mich von der Schnubbe zu verabschieden, aber ich fuhr dann mit dem Kurzen nach Hause und wir gingen sogar nochmal zu dritt auf das Hoffest, erzählten den Mädels, wie es der Schnubbe ging und aßen noch etwas von den italienischen Köstlichkeiten.


Spät, nach 23 Uhr und nachdem ich meiner Mutter noch erzählt hatte, was passiert war, brachte ich den Kurzen ins Bett, der sofort umfiel und schlief wie ein Stein.




Ein krasser Tag...
mein kleines Mädchen....
wie stark man Liebe spüren kann, wenn die Angst so gross ist....



...

Kommentare:

  1. Ach du Scheixxe!!!!
    Und nun? Wie geht's Schnubbe?

    *leximaldurchknuddel*

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  2. Oh nein, die arme Schnubbe...
    Und arme Lexi - ich mag es mir gar nicht vorstellen :(
    Wie geht es ihr denn jetzt??

    LG Tina

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  3. oh man :( hoffe mittlerweile gehts wieder besser und ihr habt euch ein wenig vom schrecken erholt :/ wünsche alles gute und mögen ganz viele schutzengel euch umschwirren :)
    lg die kerstin

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  4. sorry, hatte vergessen, die fortsetzung auch freizuschalten ;o)

    danke der nachfrage, es geht der kleinen hexe bleeendend!!!! =)

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